Märtyrer-Gedenken durch Papst Johannes Paul II. am 7.Mai 2000 am Kolosseum in Rom

"Im Milleniumsjahr hat Papst Johannes Paul II. am Sonntag, 7.Mai 2000, ein besonderes Gedenken für die 'Neuen Märtyrer des 20.Jahrhunderts' am Kolosseum in Rom gehalten. Es ist jener Ort, an dem er alljährlich am Karfreitag bei einem Kreuzweg an die Leidensgeschichte Jesu erinnert, und die Stätte, an der wohl viele Christen einst den Märtyrertod erlitten haben.Rom.Colloseum

Vorbereitend für diese Feier hatte er in einem apostolischen Schreiben die Katholiken in der ganzen Welt aufgerufen, sich auf leidvolle Schicksale von Glaubenszeugen des letzten Jahrhunderts zu besinnen und Zeugnisse über sie nach Rom zu senden. Mehr als 13 000 Berichte und Dokumente sind in Rom eingegangen. Diese wurden alle von der 'Kommission Neue Märtyrer' beim Vatikan gesichtet und archiviert.

Allein nur aufgrund dieser jetzt in Rom gesammelten Akten und Hinweise und die Unterlagen vieler weiterer christlicher Kirchen bestätigt es sich, dass im  letzten Jahrhundert Hunderttausende Christen wegen ihres Glaubens oder ihres Widerstehens als Christen in totalitären Systemen ermordet worden sind. Besonders sei dabei auch an die große Zahl der Unbekannten in aller Welt erinnert, die bei Willkürmaßnahmen gegen Christen, durch Verschleppungsmärsche, Massakern und Massenvernichtungsaktionen umgebracht wurden.

Stellvertretend für alle 'Neuen Märtyrer' nannte der Papst in seiner Predigt bei der Feier am Kolosseum am 7.Mai 2000 zwei Blutzeugen mit Namen: den russisch-orthodoxen Metropoliten von Sankt Petersburg, Benjamin (=Venjamin; 1992 von der russisch-orthodoxen Kirche heilig gesprochen), der im Jahre 1922 das Martyrium erlitt, und den deutschen evangelischen Pfarrer Paul Schneider, der 1939 im Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar gewaltsam zum Schweigen gebracht worden war. Er ist als 'Der Prediger von Buchenwald' bekannt geworden. Durch mitwirkende ökumenische Vertreter aus der ganzen Welt wurden nach der Ansprache des Papstes eine lange Reihe Namen der 'Neuen christlichen Märtyrer' - stellvertretend für alle anderen mit - verlesen, die als Blutzeugen des 20.Jahrhunderts beim Vatikan bekannt geworden sind. Auch der Name Paul Schneiders wurde noch einmal genannt.

Im Erleiden von Anfeindungen und Brutalität, im Gulak, in den Gefängnissen und Konzentrationslagern, bei Deportationen, Todesmärschen und Hinrichtungen spielte am Ende die einzelne Konfesssion keine Rolle mehr. In der Haft kam es gemeinsam darauf an, einander beizustehen und zu helfen, sich gegenseitig zu ermutigen und im Glauben zu stärken.  Die Glaubenszeugen haben die Nachfolge Jesu bis in die allerletzte Konsequenz ernst genommen, in ihrer Leidenszeit die Kraft des Evangeliums gelebt und für die Nachgeborenen glaubhaft mit dem Leben bezahlt. Sie haben die Einheit der Christen und Kirchen in aller Selbstverständlichkeit vorweggenommen und Ökumene längst praktiziert, bevor sie zu einem allgemeinen Anliegen geworden ist. Papst Johannes Paul II. sagte schon im Zusammenhang mit dem Kreuzweg April 1994: 'In diesen Märtyrern sind wir vereint.' (Zitat siehe unten in der Literaturangabe)....
... Es ist unsere Aufgabe, die christlichen Märtyrer und Glaubenszeugen nicht nur in Erinnerung zu behalten, sondern sie für die Zukunft zu bewahren und etwas gegen die Gedächtnislosigkeit zu tun..."

Dieser leicht gekürzte Text wurde mit Genehmigung der Verfasserin aus der ersten Seite der unveröffentlichten Arbeit: "Die Ikone für die 'Neuen Märtyrer des 20.Jahrhunderts' in der Kirche San Bartolomeo auf der Tiberinsel in Rom" von Elsa-Ulrike Ross von 2003 übernommen.

Literaturhinweis: Der Historiker und Gründer der Gemeinschaft von Sant Egidio, Professor Andreas Riccardi, Rom, dem die im Vatikan gesammelten Dokumente über die 'Neuen Märtyrer' zugänglich waren, hat darüber ein Buch geschrieben, das in deutscher Übersetzung mit dem Titel "Salz der Erde, Licht der Welt" im Herderverlag 2002 erschienen ist.
Obiges Zitat steht auf S.20.